Weinende Hände

Über gehörlose Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus
Manuskript und Regie: Bentein Baardson

Was geschah mit Gehörlosen in Nazi-Deutschland?

Was geschah mit gehörlosen und behinderten Menschen vor und während des Zweiten Weltkrieges?
Welchen Ängsten und unfassbaren Grausamkeiten waren Menschen ausgesetzt?

Das Thema ist umfangreich und den meisten Menschen unbekannt. Deshalb hat das Theater Manu im Laufe der Jahre Interviews mit Holocaust-Überlebenden durchgeführt und ein umfassendes Archiv mit dokumentarischem Material erstellt. Zusätzlich arbeitet das Theater Manu mit den Holocaust-Gedenkstätten in Jerusalem, Oslo und Berlin zusammen.

Der perfekte Mensch

Diese Geschichte ist wichtig für das Verständnis der Idee vom „reinen und perfekten, fehlerfreien Menschen“, die Teil der Ideologie des Nationalsozialismus war.
Wie hat es begonnen? Es gibt viele Fragen. Und Antworten zu finden, ist nicht leicht. Das wichtigste ist, dass wir versuchen zu verstehen – und dass wir uns fragen:

 

Kann es wieder geschehen?

Das Theaterstück „Weinende Hände“

Die schrecklichen Verbrechen lassen sich nicht in einem traditionellen Theaterformat beschreiben, dazu ist die Wirklichkeit zu grausam, zu grotesk.

Weinende Hände ist daher kein gewöhnliches Theaterstück, keine erfundene Geschichte. Wir werden von etwas erzählen, was wirklich geschehen ist, und in dieser Geschichte übertrifft die Wirklichkeit jede Phantasie.

Das Doku-Drama Weinende Hände

Das Stück ist als „Doku-Drama“ zu verstehen, begleitet von Projektionen und von einem Erzähler, der die Texte der Schauspieler um historische Fakten ergänzt. Zwei Schauspieler tragen die Geschichten stellvertretend für viele Einzelschicksale vor, verflochten zu einer Erzählung.

Die Handlung

Weinende Hände handelt von Hans und Gertrud.

Hans

Hans wird gehörlos geboren und verbringt seine Jugendzeit bis zum Kriegsbeginn im Jahre 1939 in Berlin. Er interessiert sich besonders für Motorräder. Zusammen mit vielen anderen gehörlosen Männern wird er Mitglied in einer Abteilung der SA und nimmt am Siegeszug nach Hitlers Machtergreifung 1933 teil.

Im Theaterstück folgen wir Hans’ Leben und Schicksal und einem gewaltigen Übergang: zunächst ein sportinteressierter Jugendlicher, muss er nun ums eigene Überleben kämpfen.

 

Gertrud

Gertrud ist ebenfalls Deutsche und wächst in einer wohlsituierten Familie auf. Sie studiert Medizin und interessiert sich bald für die nationalsozialistische Rassentheorie. Nach und nach wird sie ganz direkt in die systematische Stigmatisierung von Gehörlosen involviert.

 

 

Bentein Baardson über das Projekt

ch wusste überhaupt nichts über die staatlichen Regelungen zur Sterilisation von gehörlosen Männern, Frauen und Kindern, die in Deutschland bereits in den dreißiger Jahren praktiziert wurde – ich wusste auch nicht, dass die Nationalsozialisten schon damals systematische Maßnahmen zur Vernichtung von Gehörlosen ergriffen hatten und dies als einen natürlichen Teil ihres rassehygienischen – eugenischen – Programms betrachteten.

Ein unbekanntes Kapitel

Das Schicksal gehörloser Menschen in Nazideutschland ist ein vernachlässigter Aspekt in der Holocaust-Rezeption; erst in den letzten Jahren ist dieses fast unbekannte Kapitel der Geschichte zum Thema für Dokumentation und Forschung geworden. Dieses Material, das nicht zuletzt von Donna F. Ryan und John S. Schuchman zusammengetragen wurde, habe ich als Grundlage für die Dramatisierung gewählt und es kombiniert mit Eindrücken aus den persönlichen Interviews mit zehn Gehörlosen, die die Ungeheuerlichkeiten des Nazi-Regimes überlebt haben.

Nachdem ich immer tiefer in die Thematik eingetaucht war und auch die bedeutenden und erhellenden Texte von Horst Biesold gelesen hatte, wurde mir klar, dass dieses unbekannte Kapitel unserer Geschichte in einer dokumentarischen Form weitervermittelt werden muss: mit Fotomontagen als eine, im buchstäblichen Sinne, historisch-visuelle Kulisse für die Vermittlung durch die Schauspieler. Die Tage, die ich im Yad Vashem-Museum in Jerusalem verbracht habe, bestärkten den Wunsch nach dieser Art der Szenografie.

Weinende Hände beruht auf wahren Begebenheiten

IInspiriert von den Interviews in Israel mit den zehn gehörlosen Holocaust-Überlebenden, haben sich zwei Figuren für das Theaterstück, zwei Schicksale, herauskristallisiert: Hans und Gertrud. Sie sind zwar fiktive Figuren, aber so gut wie alles, was sie erzählen, beruht auf wahren Geschichten und Begebenheiten.

Praktische Informationen

Veranstaltungsorte: Weinende Hände hat am internationalen Holocaust-Gedenktag, dem 27. Januar 2018, in Oslo Premiere. Im Februar geht das Stück auf Tournee durch Norwegen. Im Herbst 2018 und Frühling 2019 wird die Produktion in Europa gezeigt, u. a. in den anderen nordischen Ländern, in Deutschland und in Frankreich.
Neue Veranstaltungs- und Spielorte werden fortlaufend bekanntgegeben.

Empfohlen für: Erwachsene und Kinder ab 13 Jahren.

Dauer der Aufführung: 1 Stunde und 30 Minuten, keine Pause.

Stimmschauspielerin: Alle Texte werden simultan von einer Stimmschauspielerin gesprochen, sodass auch Hörende ohne Gebärdensprach-Kenntnisse das Stück in vollem Umfang verstehen können.

Sa 27. Jan kl 19:00 Teater Manu
So 28. Jan kl 19:00 Teater Manu

Skuespillere

Kunstnerisk team